Die Haptik des Licht


Dieses Konzept entsteht aus dem Bedürfnis heraus, Affekt als Form zu denken. Das Projekt untersucht die Möglichkeit, die taktile Erfahrung in den Bereich des Sichtbaren zu übertragen, indem Licht nicht nur als Mittel der Darstellung, sondern als aktiver Agent der Einschreibung eingesetzt wird. Diese Bildsetzungen betreffen sowohl das Gestische als auch das Emotionale. Die Bewegung eines Fingers über die Haut. Eine Wunde. Die Geborgenheit der Berührung.
Der Tastsinn stellt meines Erachtens die unmittelbarste Verbindung zur Welt dar. Die haptische Wahrnehmung ist eine Erfahrung von Gewissheit und verleiht uns ein Bewusstsein für den Ort, den wir einnehmen, für unseren eigenen Körper.
Taktile Empfindung bietet uns Sicherheit gegenüber der leere. Wir suchen danach, uns einzuhüllen, die Nähe anderer Menschen zu spüren oder sogar die beruhigende Präsenz von Kleidung wahrzunehmen. Es fasziniert uns, den Körper vom Wasser umgeben zu fühlen, ihn in seiner Ganzheit zu erleben, während Bewegung diese Wahrnehmung fortwährend verändert. Auch der sanfte Druck des Windes auf der Haut gehört zu dieser ursprünglichen Erfahrung des In-der-Welt-Seins.
Wie also kann Licht berühren? Auf welche Weise lässt es sich fühlen? Vielleicht liegt die einzig mögliche Antwort im Bereich der Kunst.
In der Technik des Lightshaping berührt unser Pinsel - die Taschenlampe- die Leinwand nicht; es ist der Lichtstrahl, der sich auf sie projiziert. Paradoxerweise entsteht die Darstellung taktiler Wahrnehmung aus einer Geste der Distanz. Licht kann - anders als die taktile Empfindung - fotografisch registriert werden. So fungiert es in meinen Arbeiten als Erinnerung der Berührung und als visuelle Übersetzung einer körperlichen Erfahrung. Das Projekt schlägt vor, den Blick als eine erweiterte Form haptischer Wahrnehmung zu verstehen.